Immobilienmarkt Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet liegt in der Mitte des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, seinen Namen hat es von dem am südlichen Rand verlaufenden Fluss Ruhr.

Ruhrgebiet 1

Timo R. / pixelio.de

Die gesamte Region ist sehr dicht besiedelt, seine eng aneinander liegenden Ballungsräume, die sich entlang der Rheinschiene bis in die Kölner Bucht hinein ausdehnen, machen es zur Metropolregion Rhein-Ruhr. Bei einem Blick auf die Karte erscheint das Ruhrgebiet beinahe wie eine einzige große Stadt. Zwischen einzelnen Städten gibt es kaum erkennbare Grenzen, deshalb wird die Region auch als polyzentrische Städtelandschaft bezeichnet. Im Jahr 2010 wurde das Ruhrgebiet zusammen mit den Städten Pécs in Ungarn und Istanbul in der Türkei zur Kulturhauptstadt Europas gekürt.

Immobilienmärkte im Ruhrgebiet

Die Unterschiede in den Mietpreisen der Städte und sogar der einzelnen Stadtbezirke des Ruhrgebiets sind teilweise erheblich. Die Immobiliengutachter können aus diesem Grund keine allgemeingültigen Angaben zur Situation in der gesamten Region machen. Die Informationen, welche sie der Plattform Wohnungsbörse.net entnehmen, können dennoch einen Eindruck vom Immobilienstandort Ruhrgebiet vermitteln:

• Bochum: 4,82 – 7,32 Euro/m²/Monat
• Bottrop: 5,17 – 7,98 Euro/m²/Monat
• Dortmund: 4,76 – 21,02 Euro/m²/Monat
• Duisburg: 4,42 – 7,48 Euro/m²/Monat
• Essen: 5,29 – 8,93 Euro/m²/Monat
• Gelsenkirchen: 4,69 – 5,85 Euro/m²/Monat
• Hagen: 4,80 – 5,71 Euro/m²/Monat
• Hamm: 4,91 – 5,77 Euro/m²/Monat
• Herne: 4,99 – 5,47 Euro/m²/Monat
• Mülheim an der Ruhr: 5,59 – 6,81 Euro/m²/Monat
• Oberhausen: 5,06 – 6,06 Euro/m²/Monat

Naturräume im Ruhrgebiet

Die Städtelandschaft Ruhrgebiet ist von mehreren Naturräumen umgeben. Hier treffen sich die Westfälische Tieflandebene, die Niederrheinische Ebene und das Rheinische Schiefergebirge. Im Norden des Flusses Lippe liegen das Westmünsterland und das Kernmünsterland, im Süden der Ruhr gehören Teile des Bergischen und des Märkischen Hügellandes zum Ruhrgebiet. Auf der Nordseite des Flusses erstrecken sich die Lössebenen des Naturraums Westenhellweg. Daran schließt das Emscherland an. Seine ländlich geprägten Kreise bringen dem Ruhrgebiet ausgedehnte Waldflächen ein, auch die Landwirtschaft spielt in der Region eine große Rolle. Ihr werden 40,7 Prozent der Gesamtfläche zugerechnet, 17,6 Prozent des Ruhrgebiets sind bewaldet. Für eine Industrieregion findet man hier also ausgedehnte Naturräume, ganze 37,6 Prozent des Ruhrgebiets sind jedoch bebaute Fläche.

Landkreise und Städte im Ruhrgebiet

Der Name Ruhrgebiet ist keine eindeutige geographische Eingrenzung, man bezeichnet damit üblicherweise das Gebiet des Regionalverbands Ruhr, der aus dem einstigen Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk hervor gegangen ist. Dazu gehören die Kreise Recklinghausen mit 615.778 Einwohnern, Unna mit 392.940 Einwohnern, Wesel mit 458.329 Einwohnern und der Ennepe-Ruhr-Kreis mit 324.223 Einwohnern. Ferner werden die kreisfreien Städte Bochum mit 362.213 Einwohnern, Bottrop mit 116.498 Einwohnern, Dortmund mit 572.087 Einwohnern, Duisburg mit 486.816 Einwohnern, Essen mit 566.862 Einwohnern, Gelsenkirchen mit 257.607 Einwohnern, Hagen mit 186.243 Einwohnern, Hamm mit 176.440 Einwohnern, Herne mit 154.563 Einwohnern, Mülheim an der Ruhr mit 166.654 Einwohnern und Oberhausen mit 210.005 Einwohnern zum Ruhrgebiet gezählt. Alle Zahlen stammen aus dem Jahr 2012.

Verkehr

Auch verkehrsmäßig ist das Ruhrgebiet ein Ballungsraum. Das bringt zu den Hauptzeiten auch ein hohes Stauaufkommen mit sich. Die Autobahn A40 und ihre Ausläufer der Bundesstraße B1 in der Stadt Dortmund werden deshalb häufig als größter Parkplatz des Ruhrgebiets bezeichnet. Ursprünglich war diese Trasse einmal als Ruhrschnellweg konzipiert worden. Weitere Autobahnen, die in Ost-West-Richtung durch das Ruhrgebiet verlaufen, sind die A2 und die A42. Als Nebenachsen verkehren in Nord-Süd-Richtung die Autobahnen A1, A3, A43, A52 A535 und die Bundesstraße B227. Im Jahr 2002 waren im gesamten Ruhrgebiet rund 3,1 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen, denen ein überörtliches Straßennetz von 4.700 Kilometern zur Verfügung stand. Für den Bahnverkehr in der Region spielen die Knotenbahnhöfe Duisburg, Essen, Dortmund, Hamm, Hagen, Oberhausen, Bochum und Wanne-Eickel die größte Rolle. Der öffentliche Nahverkehr auf der Schiene wird hauptsächlich über die S-Bahn Rhein-Ruhr und die Regional-Express-Linien abgewickelt. Das Stadtbahnnetz besteht aus den Stadtbahnen in Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg. Das Ruhrgebiet besitzt nur einen Verkehrsflughafen, auf dem Flughafen Dortmund wurden im Jahr 2012 rund 1,82 Millionen Passagiere abgefertigt. Bedeutender sind aber die nahen internationalen Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn.

Daten und Fakten

Das Ruhrgebiet ist die größte Agglomeration in Deutschland und die fünfgrößte in Europa. Hier leben rund 5,1 Millionen Menschen auf 4.435 Quadratkilometern, das macht im Schnitt rund 1.430 Einwohner pro Quadratkilometer aus. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von 230 ist das schon eine beeindruckende Zahl. Ein Drittel der Bürger des Landes Nordrhein-Westfalen leben im Ruhrgebiet, obwohl die Region nur etwa 13 Prozent der Landesfläche umfasst. Schon seit der Industrialisierung ist die Bevölkerungszahl rasant gewachsen. Im Zeitraum von 1850 bis 1925 stieg die Zahl von ursprünglich 400.000 auf dann 3,8 Millionen Einwohner an. Den Einbruch durch den ersten Weltkrieg steckte die Region schnell weg, bereits im Jahr 1961 erreichte sie ihr bisheriges Bevölkerungsmaximum von 5,67 Millionen Menschen. Die wirtschaftliche Strukturkrise hat jedoch nachhaltigere Auswirkungen. Bis zum Jahr 2015 wird dem Ruhrgebiet ein weiterer Rückgang auf etwa 5 Millionen Einwohner prognostiziert. Dadurch hat sich auch die Zusammensetzung der Bevölkerung verändert. Während in der Mitte des letzten Jahrhunderts die Arbeiterschicht dominierte und eine relativ homogene Bevölkerung bildete, hat sich dort mittlerweile eine wachsende Mittelschicht ausgebildet. Im Jahr 1970 arbeiteten die Bewohner des Ruhrgebiets noch zu 58,4 Prozent im produzierenden Gewerbe, 40 Prozent waren im Dienstleistungsgewerbe tätig. Heute haben sich diese Werte gekehrt, 72 Prozent der Ruhrgebietler sind im Bereich Dienstleistungen beschäftigt und nur noch 28 Prozent der Erwerbstätigen sind dem Bereich Produktion zuzuordnen. In der Kohleproduktion sehen die Zahlen noch dramatischer aus. Im Jahr 1956 waren in diesem Bereich noch 470.000 Menschen tätig, bis zum Jahr 2006 war die Zahl auf 28.946 Beschäftigte zurückgegangen. Die Bautätigkeit hat nach einem Tief Mitte der 1990er Jahre in der Region jedoch wieder angezogen. Die Zahl der Baugenehmigungen hat vom Jahr 2010 bis zum Jahr 2012 um 4.302 zugenommen. In diesem Jahr gab es insgesamt 35.695 Baugenehmigungen für neue Wohnungen.

Bedeutende Sehenswürdigkeiten und Freizeitmöglichkeiten

Ruhrgebiet 2

Dieter Schütz / pixelio.de

Im Ruhrgebiet spielt die Industriegeschichte eine tragende Rolle, das zeigt sich auch an den Sehenswürdigkeiten der Region. Anstatt über Wein- oder Burgenstraßen fährt man hier beispielsweise über die Route der Industriekultur durchs Land. Zahlreiche technische Museen, welche die Geschichte der industriellen Entwicklung des Ruhrgebiets dokumentieren, sind über die ganze Region verteilt. Darunter sind das Deutsche Bergbaumuseum und das Eisenbahnmuseum in Bochum, das Umspannwerk in Recklinghausen und das Hoesch-Museum in Dortmund. Die Zeche und Kokerei Zollverein in Essen wurde sogar zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Aber auch die Kunst hat ihren Platz im Ruhrgebiet, was vor allem das Museum Folkwang in Essen mit seinem überregionalen Ruf beweist. Darüber hinaus sind die Museen Lehmbruck und Küppersmühle, das Karl Ernst Osthaus-Museum in Hagen und das Ostwall-Museum in Dortmund für Kunstfreunde interessant. Noch mehr Kultur bietet das Ruhrgebiet seinen Besuchern auf Großveranstaltungen mit überregionaler Beachtung wie der Ruhrtriennale, den Ruhrfestspielen oder der ExtraSchicht.

Das Ruhrgebiet als Wirtschafts- und Hochschulstandort

Das Ruhrgebiet als fünftgrößtes Ballungsgebiet Europas ist Teil des Europäischen Raumentwicklungskonzepts der Europäischen Kommission. Die Region befindet sich noch immer in einem grundlegenden Strukturwandel. Vom Hochzentrum der Montanindustrie entwickelt sich das Ruhrgebiet mittlerweile zu einem Wirtschaftsstandort mit den Schwerpunkten Dienstleistung, Technologie und Wissen. Eine Erhebung der Tageszeitung Die Welt hat herausgefunden, dass von den 500 größten deutschen Unternehmen ganze 37 ihren Sitz im Ruhrgebiet haben, 16 davon sind Industrieunternehmen, 21 gehören dem Sektor Dienstleistungen an. Trotz des Strukturwandels ist die Region also immer noch ein bedeutender Wirtschaftsstandort, Konzerne wie beispielsweise RWE, E.ON, Aldi, Douglas, Arcandor oder Tengelmann haben hier ihren Sitz. Dennoch hat das Ruhrgebiet unter Strukturschwächen als Folge des industriellen Wandels zu leiden. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahr 2010 ganze 10,6 Prozent und war damit die höchste in den westlichen Bundesländern. Auch die Städte der Region stellten mit ihren Quoten traurige Rekorde auf, in Gelsenkirchen lag sie beispielsweise bei 14,5 Prozent, in Duisburg bei 14,1 Prozent. Im Jahr 2008 hat ein regionalwirtschaftlicher Vergleich der deutschen Agglomerationen ergeben, dass die Region hinter anderen deutlich zurückfällt, vor allem in ihrer wirtschaftlichen Dynamik und der Beschäftigungsentwicklung. Eine Trendwende sei hier nicht in Sicht, lautete damals das Fazit. Als Hochschulstandort kann das Ruhrgebiet jedoch wieder punkten, es hat die dichteste Bildungs- und Forschungslandschaft ganz Europas zu bieten. Insgesamt sechs Universitäten und neun Hochschulen haben hier ihren Sitz, im Wintersemester 2001/2002 gab es rund 180.000 eingeschriebene Studenten im Ruhrgebiet. Die renommiertesten Hochschulen des Standorts sind die Ruhr-Universität Bochum, die Universität Duisburg-Essen, die Technische Universität Dortmund, die Fernuniversität Hagen und die Folkwang Hochschule Ruhrgebiet. Zahlreiche Forschungsinstitute und Technologieparks ergänzen das breit gefächerte Angebot des Wissensstandortes.

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